Zwischen zwei Geburten – Eine Aufarbeitung

Das Jahr 2015. Zwei turbulente Jahre liegen hinter uns, eine Schwangerschaft, eine Entbindung, eine mehr als erwartet anstrengende Baby- und Kleinkindzeit. Lehren und Lektionen, die diese Zeit für offene Geister mit sich bringt. Und eine ausgelassene Silvesterfeier. Sehr ausgelassen. Vielleicht ein ganz klein wenig zu Genau richtig ausgelassen, so dass ich nur wenige Wochen später bereits Ende Januar einen neuen positive Schwangerschaftstest in den Händen halte… Über die vielen gemischten Gefühle, die kamen werde ich – wenn Zeit ist – an anderer Stelle mal schreiben, hier nur so viel: Mit der Freude über ein weiteres Wunder kam auch die Angst, ein weiteres Wunder zur Welt bringen zu müssen. Ja, zu müssen. Genau so dachte ich!

Ich durchsuchte bald darauf das Internet nach Angsbewältigung, denn dieses flaue Gefühl im Magen war so präsent und ich wollte einfach irgendwie die Angst vor der Geburt loswerden. Zu unserem großen Glück stieß ich dabei auf Hypnobirthing. Ich glaube, ich habe so etwas früher schonmal irgendwann gehört aber nie mit mir in Verbindung gebracht. Hypnobirthing, sich selbst hypnotisieren um keine Schmerzen unter der Geburt zu fühlen, klingt doch nach spinnenden Ökoweibern 😉 Nun inzwischen war ich ja aber ein wenig gereift, mein Sohn hat mich selbst ja zu einem „spinnenden Ökoweib“ gewandelt, ich stillte seit über 1,5Jahren, nun auch schwanger, schlief in einem Familienbett und ließ mein nichtmal zweijähriges Kind in seinem Rahmen bereits Entscheidungen treffen und achtete seinen Willen. In meiner Familie war man damit schon mehr als verrückt, tatsächlich wurde mir sogar unterstellt ich sei in eine Sekte eingetreten 😀

Ich besorgte mir also das Buch und es war gar nicht so mysteriös, merkwürdig und esoterisch, sondern hatte ehrlich gesagt mehr Hand und Fuß und überzeugendere Argumente, als ich je zu Geburten gehört habe. Plötzlich bekam alles einen ganz anderen Sinn, wirklich, ich hatte einen richtigen Wandel im Weltblick! Ich „arbeitete“ meine erste Geburtserfahrung noch einmal durch und kam zu dem Schluss, dass der Kaiserschnitt zu der Zeit, als er gemacht wurde, sicher notwendig war, dass die Geburt an sich jedoch gar nicht zwangsweise so eine Wendung hätte nehmen müssen. Vielmehr bin ich bis heute fest davon überzeugt, dass all die Interventionen, angefangen mit der hastigen Fahrt ins Krankenhaus und gipfelnd in der PDA die Geburt behindert bis gestoppt haben und dass zu dem Zeitpunkt, als es kritisch wurde, mein Sohn schon längst auf der Welt hätte sein können…

Soviel dazu. Doch teil des Weges zu einer neuen Geburtserfahrung war auch, mich für meine „Fehler“ zu öffnen, mir ehrlich in die Augen zu sehen und zu vergeben. Ich habe zu dem Zeitpunkt getan, was nach meinem besten Wissen und Vermögen möglich war und so wie es gekommen ist, ist unser Weg gewesen, der für uns bestimmt war.

Doch für das zweite Kind wünschte ich mir einen anderen Weg. Ich buchte einen Hypnobirthing-Kurs, ergänzend zu dem Buch. Ich meldete mich in entsprechenden Foren an, in Facebookgruppen, ich besorgte so gut wie alle Bücher, die mir in dieser Richtung empfohlen wurden (meine persönlichen Favoriten werde ich nochmal als Liste darlegen) und besprach mit meiner Hebamme eine Hausgeburt. Das gab einen ersten Dämpfer. Eine Hausgeburt, nach einem Kaiserschnitt, „nicht so gern“. Aber im Krankenhaus könnten wir das ja auch ganz gemütlich machen.

Ich war inzwischen dem Krankenhaus gegenüber gar nicht mehr positiv gestimmt. Ich hatte hier schon die Erfahrung gemacht, dass meine Wünsche und Bedürfnisse zu Gunsten der Klinikroutine übergangen wurden. Andere Krankenhäuser oder ein Geburtshaus kamen auf Grund der Entfernung jedoch leider nicht in Frage. Meine Hebamme sagte, wir würden die Schwangerschaft abwarten und wenn ich es diesmal überhaupt in die „Geburtszone“, ab Woche 37+ schaffe, würden wir noch einmal darüber reden. Und ich nahm mir, inzwischen voll im Thema „natürliche Geburt“ abgetaucht, vor, mich auf eine Alleingeburt vorzubereiten. Allein, heißt in dem Fall zuhause, ohne Hebamme oder sonstiges „Fachpersonal“, begleitet von meinem Mann…

Konkret wurde dieses Vorhaben dann in Woche 37+, wo ich zwar eine komplikationslose „Vorzeigeschwangerschaft“ hinter mir hatte, meine Hebamme jedoch -für mich plötzlich- immernoch keine Hausgeburt in Erwägung zog. Genau genommen machtes es für mich den Eindruck, als würde sie mir gar keine Spontangeburt zutrauen. Es fielen Sätze über meine kleine Statur, und Schmerzempfindlichkeit und wenn ich bei der ersten Geburt schon den Wunsch nach einer PDA gehabt habe wäre es doch diesmal besser auch mit der Option darauf im Krankenhaus zu sein… Außerdem bestünden doch so viele Risiken, wegen der Kaiserschnittnarbe. Sie würde das Risiko jedenfalls nicht tragen wollen, diese Narbe könne man ja nicht einschätzen und es könnte auch sein, dass durch sie die Funktionsfähigkeit meiner Gebärmutter beeinträchtigt wäre, evtl. würden gar keine richtigen Wehen zustande kommen… Ein recht deprimierendes Gespräch, zumal so gegen Ende der Schwangerschaft und wo ich mich selbst doch so mühevoll aufgebaut hatte und versuchte meinen Glauben an meine Gebärfähigkeit jeden Tag mit Hilfe von Affirmationen zu festigen.

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So kamen mein Mann und ich zu dem Entschluss, eine Hausgeburt wie ich sie innerlich schon lange geplant hatte zu versuchen, auch ohne Hebamme. Wir wohnen direkt neben der Klinik, die Hebamme war auf Rufbereitschaft und wir ließen es uns einfach offen. Unser Motto war: Wenn das Kind hier kommt, kommt es eben hier und die Hebamme wird danach dazu gerufen; Wenn wir uns anfangen hier unwohl zu fühlen, dann habe ich wenigstens so lange wie es ging zuhause verbracht und wäre halt für den Rest in der Klinik.

Ich schaffte es diesmal, mit Ermahnungen an das Baby 😉 , mit gekreuzten Beinchen und gegen Ende mit der Vollzeitunterstützung meines Mannes bis Woche 37, ganz genau bis Woche 37+4. An diesem Tag im September 2015 kam unser Minibär zu uns und wie das lief werde ich im Geburtsbericht für den Minibären erzählen…

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