My Veganniversary

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Heute ist es soweit. My Veganniversary, weil ich den Begriff so schön finde. Oder zu deutsch: Mein Vegan-Jahrestag. Vor genau einem Jahr begann ich vegan zu leben. Freunde, Verwandte, mein Mann… alle dachten das wäre „nur eine Phase“, inzwischen ist klar, dass es so bleibt. Für mich war es ab dem ersten Tag klar. Dies war es jetzt, kein Netz, kein doppelter Boden. Von nun an gilt es, das vegane Leben auszubauen.

Ich gebe zu, irgendwie hat mich dann Plötzlich die eigene Courage erschreckt: „Nie wieder Fleisch, nie wieder Milchprodukte einschließlich Käse, nie wieder Essengehen ohne Extrawünsche…?!“ Doch dann erkannte ich: Ich muss nicht „nie wieder“. „Müssen“ ja sowieso schonmal nicht, sondern wollen. Aber ich kann auch einfach Tag für Tag stemmen und muss nicht mein komplettes Leben im Voraus planen 😉

Was bedeutet eigentlich vegan leben? Vegan.eu schreibt dazu es sei der „bewusste und vollständige Verzicht auf den direkten Konsum bzw. die direkte Nutzung von Fleisch, Fisch, Milch, Eier, Leder, Wolle, Seide und im Regelfall auch Honig. Ebenfalls besteht Einigkeit darüber, dass es zur veganen Lebensweise ebenfalls gehört, bekannte Zusatzstoffe tierischen Ursprunges, wie Gelatine oder Lab, zu vermeiden.“ Klingt einfach, doch bereits beim Weiterlesen auf der vegan.eu-Seite wird aber klar, so einfach ist es nicht. Und egal wie sehr man sich bemüht, irgendwer schaut immer schräg von der Seite…

Wie vegan war ich eigentlich im letzten Jahr? Ich kann es gar nicht genau definieren, klar wurden Fleisch Eier und Milchprodukte direkt von der Menükarte gestrichen – schon aus Ekel, denn einmal auf den Gedanken gekommen konnte ich die Bilder in meinem Kopf nicht mehr verdrängen, was diese Produkte verursachten. Bei einigen Vorräten in der Speisekammer wurde allerdings  noch aufgebraucht, ein Prozess der Unglaublicherweise immer noch im Gang ist. Zum Beispiel hatten wir wirklich viele Gläser Honig, da meine Schwiegermutter diese zu Hauf beim Imker abkaufte und an uns verschenkte. Da ich gegen Honig an sich nichts habe, nur gegen die Produktionsweise, verwenden wir diesen hin und wieder, zum Beispiel um den Kindern Hustensaft herzustellen. Da diese Nutzungen aber sehr selten sind, tummeln sich immernoch Gläser im Schrank. Ebenso Essige, die evtl geklärt sind. Ansonsten fällt mir gerade nichts aus unserer Speisekammer ein.

Dann bin ich bei einigen Dingen in die Falle getappt. Obwohl ich wirklich gründlich versucht habe mich zu informieren habe ich dann und wann die Vorsicht vergessen und hatte auf einmal zum Beispiel zwei Sorten Chips zuhause, bei denen eine vegan war, die andere aber mit Milchpulver. Oder Tomatensauce, warum auch immer man da Milchpulver reinmacht?! Beim Kauf von alkoholfreiem Sekt ist mir erst im Nachhinein aufgefallen, dass ich gar nicht geschaut habe, ob der nun vegan (also ungeklärt) ist oder nicht. Im Nachhinein habe ich es nun aber auch noch nicht so wirklich rausgefunden und bin nicht sicher, ob meine Konsequenz nun ist, ganz darauf zu verzichten?

Mein Badschrank ist ebenfalls noch voll von „ungeprüften“ Produkten aus der Vorveganzeit… Größtenteils aber darum, weil ich schon seit den Schwangerschaften immer weniger und weniger „Kram“ genutzt habe und nun vor dem „Aufbrauchen-oder-Wegwerfen-Dilemma“ stehe. Irgendwann werde ich mich dem ganzen wohl stellen müssen, die seit Jahren ungenutzt liegenden Lippenstifte und ähnliches zu entsorgen genauso wie die Deo´s die eigentlich so ziemlich vollständig von Deocreme abgelöst wurden… Und meine Shampoos, die, durch Seife ersetzt, jetzt eigentlich nur noch für den Schwimmbadbesuch und Reisen hergeholt werden , werde ich wohl in meiner Rentenzeit noch benutzen können…

Und dann gibt es auch noch Bereiche im Leben, wo es einfach schier unmöglich scheint, einen 100% veganen Weg zu gehen bzw. Informationen zu erhalten. Zum Beispiel bei meinem Hobby „Nähen“. Ich fand diesen sehr hilfreichen Link, der mich aber auch total verunsichert hat. Also scheint, es, selbst bei vegan gekennzeichneten Stoffen nicht ganz klar zu sein, wer diese nun als vegan deklariert und wie weit die Kontrolle geht… Völlig utopisch für mich bei allen Stoffen, Flicken, Garnen etc Produktanfragen zu stellen… Ich habe mir nun eine Quelle für fairtrade-Biostoffe ausgesucht, die weitgehend mit natürlichen Mitteln färben und hoffe, damit einen guten Weg zu gehen. Immerhin bin ich so sicher, dass die Produktionsbedingungen gut sind und die Umweltbelastung sich in Grenzen hält… Oder Bücher, die eventuell mit tierischem Leim geklebt werden. Und wo wir schon beim Leim sind, auch inhaltlich vegane Produkte werden teilweise mit Etiketten gelabelt, die mit tierischem Kleber befestigt werden (tragen dann allerdings nicht das Veganblümchen).

Auch bei guten Absichten ist es also nicht immer leicht, durchzusehen.

Was bleibt an Erkenntnis? Obwohl doch vegan eigentlich ein ziemlich kleiner gemeinsamer Nenner aller Esser sein müsste, stellt es meist den kleinsten Teil der Menükarten, oft nur als Pommes (Vorsicht beim Ketchup: Ist der mit geklärtem Essig?! 😉  ). Und auch jenseits der Nahrung leben wir in einer Welt, in der tierische Bestandteile in einem unglaublich erschreckendem Maß eingesetzt werden… Gar nicht so einfach, da durchzusteigen oder die eigenen Grenzen festzulegen.

Was mir fehlt ist mein Weleda Lippenpflegestift nach dem ich SÜCHTIG war (Bienenwachs drin) und die Möglichkeit, einfach mal im Supermarkt gegenüber eine Fertigpizza zu holen (in diesem Jahr gab es sogar zweimal die Gelegenheit, doch obwohl bei beiden Malen die großen Stapel vegane Pizzen am selben Abend ausverkauft waren fand man wohl nicht, dass sie regelmäßig dabei sein sollen…)

Was ich gewonnen habe ist ein wachsendes Bewusstsein für meinen Konsum: Brauche ich das was ich da kaufe, wer hat es wie hergestellt und wer muss dafür wie bezahlen?! Dass das Vegansein mein Leben so weit auch über die Ernährung hinaus beeinflussen würde hätte ich nie gedacht!

Also ich dachte, nach einigen Wochen würde ich DAS „Vegansein“ gemeistert haben 😀 und nun habe ich festgestellt, dass ich mich einfach auf einem Weg befinde und es vermutlich gar kein Endziel sondern einfach nur Etappen gibt. Aber ich befinde mich auf diesem Weg und ich bin glücklich, die Entscheidung getroffen zu haben.

Im Schnitt 66Tage soll es dauern, bis man eine neue Gewohnheit etabliert hat… Darüber bin ich nun hinaus. Ostern, Weihnachten und Kindergeburtstage sind ohne Mangelerscheinungen an uns vorbeigegangen 😉 Mein veganes Baby wächst und gedeiht, läuft und plappert ❤ und inzwischen freue ich mich auf das nächste Jahr, das mit Sicherheit noch ein wenig veganer wird als das Letzte 😉

Und als Bonus hier mein persönliches Bullshitbingo nach der Vorlage von This Vegans Life,  was ihr auch hier herunterladen könnt 😀

bullshitbingo

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