DER Oberveganer

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Als Veganneuling meldete ich mich in so manchen Gruppen und Foren an, um online Fragen loszuwerden, für die ich live keinen Ansprechpartner habe. Nach wenigen Wochen war jedoch klar, auf jede hilfreiche Antwort kamen mindestens zwei Kritiken.

Da  wird eine Frage gestellt, ob ein vegetarisch gekennzeichnetes Produkt denn nicht eigentlich vegan ist, laut der Inhaltsstoffe und sogleich bricht eine Diskussion aus, ob es denn nicht überhaupt total unvegan ist, Firmen zu unterstützen, die auch Produkte mit Fleisch, Eiern oder Milch verkaufen… Natürlich wird gegengehalten von denjenigen, die meinen, nur wenn man vegane Produkte kauft wird der Markt verändert…

Ich habe inzwischen gelernt, mich von solchen Meinungen frei zu machen. Ich versuche mit mir selbst Geduld zu haben. Wir haben von Omni auf 100%vegan umgestellt und das war gar nicht einfach. Um beim Beispiel zu bleiben: Eigentlich wollte ich Produkte von „zweifelhaften“ Firmen auch meiden, aber
1. schmecken einige Dinge echt lecker und machen damit dem Umstieg leichter, vor allem für den Juniorbär und meinen Mann und
2. macht es das Leben doch noch um einiges komplizierter, alles nachzurecherchieren, welche Firmen sind denn nun „ok“ und welche nicht, da muss man dann ja auch noch die eigene Meinung finden, was denn nun vertretbar ist…

Es gibt permanent soooo viele Dinge zu berücksichtigen, erstmal ist ja das Leben und den Alltag zu veganisieren schwer genug. Dann versuchen wir beispielsweise auch bio und regional zu sein. Dann kommen ethisch-moralische Aspekte dazu. Ist zum Beispiel denn Schokolade ok, wenn dafür Menschen versklavt werden? Also irgendwie kann (und sollte?) man ja auch immer weiter den Dingen auf den Grund gehen, aber wenn man jahrelang (bei mir 30Jahre) ein „herkömmliches“ Leben hatte, darf man sich doch auch einige Zeit geben und muss nicht alles an einem Tag wissen und umstellen.

Und wer weiß schon, wie es in jeder einzelnen Familie aussieht, wie der Alltag ist, die Vorlieben sind und was hilfreich ist oder nicht?

Ich denke es ist wichtig, das zu tun, was der ganzen Familie gut tut und wenn die Alternativen sind entweder Fleisch zu essen oder ein veganes Produkt von einer Firma, die auch Fleisch verkauft, dann ist vegan doch erstmal schon ein guter Schritt. Der nächste Schritt wird kommen, wenn es dafür im Alltag Zeit gibt!

Ein paar Gedanken an Einige; die so eine rigorose Einstellung haben und denken, sie wären Oberveganer, weil sie bestimmte Firmen nicht unterstützen, bestimmte Produkte nicht nutzen oder bestimmte Zusammenhänge kennen, die Neuveganern noch nicht bekannt sind:

Ich finde Euch und euer Engagement toll! Macht doch einfach weiter, offenbar seid ihr auf einer „höheren Stufe“, aber ich kann Euch versichern, auch in Eurem Leben gibt es noch Baustellen… Seid ihr plastikfrei, sind alle Eure Klamotten und Textilien fairtrade, biologisch hergestellt? Wie sieht es mit Kaffee aus, Schokolade? Alles fairtrade? Lebt ihr rein saisonal oder wie ist der Fußabdruck Eures Essens? Bananen? Tomaten? Wie sieht es mit Palmöl aus? Und ist Euer Gemüse denn überhaupt vegan oder ist es herkömmliches Biogemüse also mit Tierdung behandelt?  

Dies waren jetzt nur ein paar Beispiele, da gibt immer mehr und mehr und mehr und wenn ihr weiter seid als jemand anderes, dann orientiert Euch doch nicht an demjenigen sondern schaut nach vorne, wo es für Euch noch hingehen kann  Ich werde das weiterhin tun… und hey, ich sehe voran und weiß, da ist noch ein langes Stück Weg vor mir.. aber bitte, wenn ihr irgendwo auf mich trefft und ich eine Frage nach dem Weg habe, dann zieht mich nicht zurück durch all die Sackgassen, die ich auf meinem Weg passiert habe, sondern helft mir, indem ihr meine Frage beantwortet und mich so unterstützt, in meinem Tempo und nach meinen Möglichkeiten vegan zu leben! 

 

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2 Gedanken zu “DER Oberveganer

  1. Ich kann dir gut nachfühlen, denn ich hab auch das Gefühl an jeder Ecke gibts noch „mehr“ Gutes zu tun und ich schaffe es nicht in jeder Richtung. Wir sind 2 Erwachsene und noch 4 von 5 Kindern die zu Hause wohnen….dazu ein großer Hund und eine Katze…Kaninchen und ein Haus mit Garten. Mein Versuch seit einigen Monaten… Müll vermeiden bzw. reduzieren. Leider boykottieren mich einige Familienmitglieder die das blöd finden und meinen, alle anderen machen es ja auch nicht… Aber ich will etwas tun gegen die wachsenden Müllberge, nur muss es auch finanziell für uns lebbar bleiben. Tierfutter gibts nunmal in der Dose. Gefrorenes Futter in Plastetüten. Frisches Fleisch? Als Tierfutter kaum erschwinglich, also hilft nur möglichst große Packungen kaufen und daheim umfüllen….Auf Fleisch mag meine Familie nicht verzichten, also hab ich es reduziert und es gibt öfter Fisch und auch mehr Gemüse. Einige sagten mir….entweder alles oder nichts. Hm🤔…. ich glaube weniger tut auch schon viel, Eier kauf ich nur noch Freiland oder Frische. Ich glaub, wenn alle ein bisschen wo einsparen oder gesünder kaufen dann hilft auch das. Es gibt so viele Ansätze man muss nur anfangen. Ich wünsche dir/euch viel Kraft und das ihr euren Weg findet 👍

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  2. Du sprichst mir aus dem Herzen! Ist ja nicht nur beim Thema vegan so, sondern generell. Ich bin kaum noch in Gruppen drin, weil es mich traurig macht, dass da so oft Ratsuchende oder Nicht-der-Gruppennorm-Entsprechende niedergemacht werden. Zum Glück gibt es doch noch vereinzelt liebevolle, respektvolle Gruppen, die zeigen, dass es auch anders geht.

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