„Problemtitel“ Highneed

Wenn kritische Stimmen zum Begriff highneed auftauchen, wird gerne gesagt, dass es sich um keinen eindeutigen Begriff handelt…

Faktisch ist das richtig. Es handelt sich um einen Begriff, der weder wissenschaftlich definiert noch einschlägig empirisch erforscht ist. Er definiert ein Baby bzw. Kleinkind oder Kind, welches fordernder ist oder scheint als andere Kinder seiner Altersklasse. Die Frage, ob dies auf ein Kind zutrifft wird in dem Fall von den Bezugspersonen beantwortet und kann auch kaum von anderen beantwortet werden. Heißt das nun, dass highneed Kinder nur „Einbildung“ von „überforderten Bezugspersonen“ sind?

Ich selbst habe in meinen 30Lebensjahren schon einige Dinge erlebt, die erst als „Mythos“ abgestempelt wurden, bevor dann festgestellt wurde, dass tatsächlich körperliche Ursachen für ein Verhalten vorliegen. Bei vielen psychosomatischen Leiden wurde zuerst mit Einbildung argumentiert. Auch das junge Thema „Hochsensibilität“ wird wissenschaftlich erst seit Mitte der 90er Jahre diskutiert, haben die nun geschätzten 15-25% hochsensible Personen bis dahin nicht existiert oder sind ihre Eigenheiten bis dahin als Einbildung oder Selbstfehleinschätzung abgestempelt worden…?

Und ist das bei einem Thema, wo es so sehr um das eigene Empfinden geht wirklich wichtig?

Ich denke wir alle sind uns einig, dass Kinder unterschiedliche Temperamente haben. Wenn nun Eltern sich durch das Temperament ihres eigenen Kindes sehr stark ge- oder überfordert fühlen, kann es doch hilfreich sein, sich mit anderen Eltern in ähnlichen (Gefühls-?)Situationen auszutauschen… Wenn der Begriff „highneed“ nun dazu führt, dass derartige Eltern sich zusammenfinden und Tipps, Informationen oder einfach nur ein offenes Ohr füreinander haben, dann sehe ich darin eigentlich keine Problematik…

Für mich und alle Eltern, die ich getroffen habe, die sich durch highneed angesprochen fühlen, geht es eigentlich gerade NICHT darum, das Kind als „nicht normal“ abzustempeln. Vielmehr ist es das gute Gefühl, dass das Kind trotz der kaum zu erfüllenden Anforderungen doch „ganz normal“ ist, und es viele andere Eltern gibt, denen es ähnlich geht, die auch das Gefühl haben ihren Kindern nicht genug geben zu können, weil die Bedürfnisse zu unerfüllbar hoch scheinen…

Ich habe beim Lesen kritischer Kommentare aber auch nie das Gefühl, dass diese Personen sich in die Eltern, die das Gefühl haben mit einem solchen Kind zu leben, gut hineinversetzt können. Wie denn auch, wo die Erfahrung fehlt… Allerdings muss ich sagen, wenn dann Ratschläge in die Richtung „schlafen Sie einfach wann das Kind schläft“ gegeben werden, dann scheint mir nicht nur Erfahrung zu fehlen, sondern jegliche Fähigkeit sich die Situation anzuhören oder vorzustellen. Bei mir konnte so ein Vorschlag im ersten Jahr mit meinem Sohn nur hysterische Lachanfälle auslösen. Gerade das ist ja eines der Probleme, mit denen viele Eltern von „highneed“-Babys zu kämpfen haben: Diese (highneed) Kinder schlafen eben nicht einfach so. Und beim das Kind im Tragetuch durch die Gegend spazieren schlafen habe selbst ich nach 1,5Jahren mit täglich nur 3-4 Stunden Schlaf nicht geschafft… 😉 Obwohl ich zugebe bei manchem Spaziergang nachts zwischen 4 und 5 war ich sicher kurz davor ;-P

Aber wenigstens brachte mir diese Zeit einige Erfahrungen, die ich gerne mit anderen Eltern teile, die ähnliche Erfahrungen und Probleme haben um zu versuchen wirklich HILFREICHE (bzw. umsetzbare) Tipps zu geben. Und da der Begriff „highneed“ einfach hilft, zu verbinden, werde ich auch in Zukunft bedenkenlos dabei bleiben… 🙂

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2 Gedanken zu “„Problemtitel“ Highneed

  1. Hallo!
    Danke für den Text! Ich finde mich in so vielem wieder und fühle mich nun nicht mehr ganz so allein, unfähig und überfordert. Seit ich Kind2 kenne (3 Mon), begreife ich, was mir Kind1 da abverlangte und immer noch abverlangt. Seitdem ist da ein Wirbelsturm an anbivalenten Gefühlen ggü Kind1 da, was den Alltag auch nicht gerade leichter macht :-(. Bald wird Kind1 drei und so viel leichter ist es nicht geworden, nur anders anstrengend. Die Autonomiephase bringt mich an den Rand und ich ringe um jeden Tag. Ich hätte so gerne Austausch, Tipps und Zuspruch von und mit Dir und anderen Highneedkindmamas, finde aber leider keine emailadressen 😦 Gibt es eine Kontaktmöglichkeit? Ganz liebe Grüße, Zwergenmama

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