Hochsensible Momente – Ein Hauch von Weltverdrossenheit

Mein Sohn hatte einen Albtraum heute Nacht, von Piraten und Krokodilen. Er erzählte es mir direkt nach dem Aufwachen und ich bin so stolz, dass wir es vom schreienden Horrorerwachen bis hierher gebracht haben. Das hat mich einige Nerven gekostet, ein Kind, das schreiend und kreischend aufwacht und nicht zu trösten ist.

Das Piratenthema zieht sich ein wenig durch den Tag, mein Juniorbär fängt Piraten mit einem Netz oder spritzt sie mit dem Wassersprüher an…

Nach dem Frühstück fragt er mich unvermittelt „Mama, bist Du stärker als ein Pirat?“ „Ja!“ sage ich mit mütterlicher Zuversichtlichkeit, „Ich bin stark wie mindestens zwei Piraten!“ das freut ihn, er strahlt und fragt ob ich schon einmal gegen Piraten gekämpft habe. Nein sage ich, ich kämpfe nicht gerne, ich rede lieber. Ob die Piraten denn machen, was ich ihnen sage, fragt er mich und ich sage ihm, wenn jemand etwas macht, was ich nicht will stelle ich mich ganz fest hin und rufe laut „STOPP! DAS WILL ICH NICHT!“. Ich zeige es ihm und wir führen einen Stopp-das-will-ich-nicht-Tanz auf, er übt und ich sehe, wie er von Monat zu Monat immer stärker wird, immer mehr Zuversicht in diesen Übungen zeigt.

Am Ende fällt er mir in die Arme und fragt lachend „Mama, beschützt Du mich vor Piraten?“ Und ich versichere ihm mit aller Kraft „Klar, ich werde Dich immer vor Piraten beschützen!“…. und freue mich, dass er es glaubt und nicht merkt, wie ich hinter seinem Rücken meine Tränen verkneifen muss.

„Ich werde Dich immer beschützen!“ Dieser Satz fällt mir schwer, denn es gehört zu meinen festen Grundsätzen, nicht zu lügen. Und ich weiß, dass es eine Lüge ist, dass ich ihn nicht immer beschützen KANN. Es macht mich so unendlich traurig, dass ich diese blöde Welt so gut kenne, ihre Abgründe und Fallen. Am liebsten würde ich immer bei und neben meinem kleinen Herzchen bleiben, meine beiden Jungs beschützen und in Sicherheit halten. Aber ich verstehe es als meine Aufgabe als Mutter, sie Stück für Stück in die Welt hinaus zu schicken und ihnen Mut und Zuversicht mitzugeben.

Es ist so, ich versuche das Richtige zu tun, ein „guter Mensch“ zu sein, ein angenehmer Mensch, ein fürsorglicher Mensch. Ich versuche nicht zu lügen, freundlich zu sein und anderen zu helfen. Ich tue das, weil ich lieber Freude verbreite als unangenehme Gefühle, und weil ich mir alles lieber in Liebe verbunden vorstelle als zu glauben, dass „das Böse“ existiert. Aber tief im Innern tue ich es auch, weil ich hoffe und glaube, dass wenn ich nur „gut genug“ bin, wenn ich gutes Karma sammele und die Welt bereichere anstatt auszulaugen, dass dann irgendwie meine Familie sicher und vor furchtbaren Dingen beschützt bleibt! Was für eine grausame Welt, in der wir für unsere Kinder Angst haben müssen. (Und ja, mir ist bewusst, dass ich hier und jetzt in meinem „sicheren zuhause“ schon auf sehr hohem Niveau jammere – das macht es aber nicht gerade besser).

Bereits in meiner Schwangerschaft habe ich Rotz und Wasser geheult bei einer Stelle in dem Buch „Unter dem Herzen“ von Ildiko Kürthy:
„Ich werde nie wieder ohne Angst sein, denn ich werde etwas ungeheuerliches zu verlieren haben.
Ich werde nie wieder frei sein. Ich werde einen wunden Punkt haben, lebenslang, eine Stelle, an der man mich mit wenig Aufwand zu Tode verletzen kann.“

Ich schätze, das Beste, was ich für meine Kinder machen kann, ist, sie als freundliche, liebevolle und starke Menschen in diese Welt hinauszusenden und das Beste zu hoffen! Und am Ende ist es doch so:

Liebe schöner Hass.JPG

❤ Danke unbekannter Verfasser! ❤

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s