Gedanken zu „Unerzogen 1/17“

Heute wartete ich besonders sehnsüchtig auf den Papabären. Er hat später Feierabend aber vergessen das zu erwähnen. Ausgerechnet heute, wo der Tag doch aus verschiedenen Gründen an meinen Nerven zerrt. Einer davon ist, dass eine gute Bekannte mir gestern quasi per SMS die Freundschaft gekündigt hat… Wir haben ja nun eigentlich doch eine sehr geringe Schnittmenge, worüber sollten wir uns noch unterhalten. Und ihre Tochter gebe sie nun auch lieber öfter mal weg, so Kinderkrams da habe sie nicht mehr „so Bock drauf“. Zu Besuch bei jemandem wie mir, wo das Kind nicht ohne sie bleiben kann, da meine eigenen zwei hier schon wuseln und mich voll auslasten, das sei ja irgendwie Verschwendung. Alles in allem sehr emotional aufwühlend für mich. Nicht nur aber schon sehr doll, weil mein Junior so sehr an dieser Freundin und ihrer Tochter hängt.

Da kam er endlich, der Papabär, und unterbrach mein Gedankenkarussell auch durch den Umschlag, den er aus dem Briefkasten geholt hatte: Das neue Unerzogen-Magazin.

Das aktuelle Heft ist vollgepackt mit Themen, die mich interessieren und war für mich so packend, dass ich das halbe Heft schon nebenbei im Flur mit an den Beinen hängenden Kindern gelesen habe 😉

Zuerst zappte ich mitten in den Artikel „Die Geburt als „gewaltiges“ Ereignis: Eine gar nicht so rosige Geschichte“…. Die Schilderungen der Autorin Susanne Sommer (Mensch was ein Name ❤ ) zu der Geburt ihres ersten Kindes haben mich nicht nur gefesselt, sondern mir auch richtige Flashbacks an meine eigene Geburtserfahrung mit dem Junior verpasst. Für mich steht nun endgültig fest, dieses Jahr wird es kein weiteres Verschieben geben, dieses Jahr werde ich am 25.11. meinen eigenen Brief mit Rose an das Krankenhaus geben und wenn ich es schaffe, auch andere Frauen aus der Umgebung dazu animieren, ihre Erlebnisse und Kritik auf diesem Wege an das Krankenhaus zu teilen.

Auch der Artikel „Das Mutterschaftsgespenst“ mit einer Schilderung über #regrettingmotherhood klang bei mir an. Ich kann es sagen: Ich bereue es nicht, Mutter zu sein. Egal wie viele downs es gibt ich würde mich immer wieder für meine Bengelchen entscheiden und jedes Leiden mit Ihnen noch einmal durchleiden. ABER ich kann es irgendwie schon verstehen. Der Satz „…soviel Selbstaufgabe und Hinten–an-stellen in so wenig Zeit.“ (Sabrina Sailer, aus selbigem Artikel) passt. Alles aufgeben, alles umwirbeln und dazu diese massive Verantwortung. Fast fortwährend spüre ich den Druck, diese Verantwortung zu haben. Das Haus verlassen ist eine Herausforderung, der morgendliche Tanz aus ausziehen, wickeln, anziehen, „abfüttern“, Zähneputzen, Jacken-Mützen-Schuhe“….. das mürbt und nervt manchmal, nicht wenige Male vergesse ich dabei meine eigene Jacke, meine eigenen Gegenstände oder sogar meine eigenen Zähne (zu putzen). Auch wenn ich es irgendwie weiß, tut es mir doch jedes Mal wieder gut zu lesen, dass auch andere (und auch liebevolle) Mütter angestrengt sind und manchmal eben auch genervt!

Und dann das phänomenale Schlusswort von Herbert Renz-Polster „Mutterschaft 2.0″. Wunderbar“ Einer dieser Artikel, in dem ich jeden Satz unterstreichen und mit „ja, genau so!“ kommentieren möchte…. Der am Ende genannte Gedanke vom „Kind, das als Rädchen mitläuft“, ist bei mir immer wieder präsent. Genau das Gefühl habe ich dann wenn mir zum Beispiel gesagt wird dass eine Mutter „keinen Bock mehr auf Kinderkram“ hat 😉 Und genau dieses Gefühl sorgt auch dafür, dass meine Jungs noch zuhause sind. Ich habe nicht das Gefühl, hier eine Betreuung zu finden, in der nicht genau das der Anspruch ist, das sie eben mitlaufen. Und abgesehen davon, dass zumindest der Junior das auch auf Biegen und Brechen nicht würde, will ich es auch einfach nicht. „Kindschaft“ wie Renz-Polster das so schön benennt, das möchte ich. Ich will meine Jungs nicht dauerunterhalten, neben ihnen sitzen und den Animateur spielen… Aber ich will ihnen Raum und Möglichkeit bieten selbst zu spielen, spiele zu finden, zu genießen und auszuleben, ganz (oder soweit wie möglich…) abseits von Zeitangaben und Verpflichtungen. Darum mache ich ihn nicht, den Spagat der „Vereinbarkeit“, darum lebe ich bewusst nicht die „effektive Mutterschaft“ (Renz-Polster im genannten Artikel) sondern versuche mich in Mütterlichkeit, egal wie altbacken das klingt und egal wie oft ich mir in meinem übermüdeten und erschöpften Zustand Kommentare anhören muss, was für einen bequemen Luxus ich doch lebe so „nur zuhause mit den Kindern“….

Alles in allem macht dieses Heft auf mich einen superspannenden Eindruck und ich freue mich aufs Weiterlesen!

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