Unterirdisch… Oder: Die Suche nach der veganen Pflanzenerde

Der vegane Garten

Viele fragen sich ja, was der Unterschied vom veganen Gärtnern zur herkömmlichen Art und Weise ist. Neben dem grundsätzlichen Versuch, respektvoll und achtsam mit den im Garten vorkommenden Tieren umzugehen – wie es aber auch im achtsamen Biogarten meist versucht wird, ist der größte Unterschied meiner Meinung nach der Verzicht auf jeglichen tierischen Dünger.

Besonder schwer habe ich mir das nicht vorgestellt, schließlich muss ich ja einfach nur etwas weglassen, wofür es genug Alternativen gibt…dachte ich 😉 Was das gärtnern im eigenen Beet angeht stimmt das vermutlich, ich gestehe, dass wir da noch keine ausreichenden Erfahrungen haben, da wir zwar bisher nicht mit tierischen Düngemitteln (Hornspäne, Pferdemist, Blutmehl etc. ) gedüngt haben, aber eben auch nicht mit Alternativen. Daher kann ich zwar sagen, dass es für die begrenzte Zeit, die wir bisher den Gemüseacker bestellt haben, auch gänzlich ohne ging – mir ist aber auch klar (und man merkt es an der Bodenqualität), dass der Boden auf diese Weise einfach ausgelaugt wird und irgendwann keine wünschenswerten Erträge mehr vorweisen wird oder aber die Pflanzengesundheit nachlassen wird und Schädlingen sowie Krankheiten Tür und Tor geöffnet wird…

Außerhalb des Gartens

Was ich so NICHT erwartet und eingeplant hatte, war die Unmöglichkeit, hier in der Stadt vegane Pflanzerde zu bekommen – sowohl für Anzucht als auch danach, um die Pflänzchen umzupikieren… Gänzlich entsetzt hat mich, dass nicht nur vegan völlig ausgeschlossen war, sondern auch die Suche nach wenigstens torffreier Erde sich recht schwierig gestaltete… Ich hatte eigentlich gedacht, dass bei der aktuellen grünen Nachhaltigkeitswelle keine Erde mehr mit Torf im Handel Absatz fände, oder zumindest nur ganz vereinzelt… Statt dessen prangte das Wort „Torf“ meist ganz weit vorne in der Liste der Inhaltsstoffe, selbst bei vielen Bioerden.

Wir haben versucht, den Kauf von Erde gänzlich zu umgehen, indem wir eigene Gartenerde verwenden. Leider hatten wir damit mehrere Fehlversuche und die eigene Erde war jeweils so furchtbar, dass wenn überhaupt nur Unkraut darin wuchs. Die Konsistenz war zu fest und lehmig, nach dem Wässern hatten wir nur noch einen harten Klumpen, den wir entweder ständig feucht halten mussten, damit die Pflanze überhaupt die Möglichkeit hatte zu wurzeln – das brauchte aber ein Feuchtigkeitsstau- und Schimmelproblem mit sich. Oder die Erde war trocken, dann bröselte sie vor sich hin und es war von außen schon zu sehen, dass zarte Jungpflanzen unmöglich den Weg dort hinaus schaffen könnten…

Nach vielem Hin- und Her haben wir nun also doch „herkömmlich“ gedüngte Pflanzenerde gekauft, wenigstens torffrei und aus biologischer Erzeugung… Meine Überlegungen dazu: Wenn wir keine eigenen Pflanzen im wenigstens nicht aufgedüngten Garten produzieren, dann müssen wir umso mehr Gemüse dazukaufen, das ist schließlich auch aus konventioneller Anzucht und wird dann nicht nur in unveganer Anzuchterde aufgewachsen sein, sondern auch die Anbaufläche dafür wird mit tierischen Düngemitteln aufbereitet werden – gerade bei Bioverbänden ist die „Kreislaufwirtschaft“ und damit das Einbringen der anfallenden Exkremente aus der Tierhaltung in die Ackerflächen, oft verbindlich.

Warum vegane Erde

Die Frage, was ich kritisch an unveganen Düngemitteln finde, wird mir häufig gestellt. Einerseits ist es natürlich eine Prinzipienfrage: Ich möchte vegan leben, soweit es möglich ist. Und in diesem Fall bin ich durchaus der Meinung, dass ohne größere Probleme auf tierischen Dünger verzichtet werden kann und möchte das somit auch leben.

Andererseits ist es aber auch ein Trugschluss, dass Düngemittel aus tierischer Herkunft ohnehin als „Abfallstoffe“ anfallen und somit ebenso gut einfach genutzt werden können…

dsc_3975.jpgAuf den meisten Bioerden, die ich gesehen habe, wurde ganz besonders „Guano“ (von Seevögeln) ausgelobt. Als würde nun ein freiwilliger mit der Schaufel am Strand rumlaufen und den Kot der Vögel einsammeln um dieses friedfertige Düngemittel für die Bioerde bereitzustellen 😉 Im Gegensatz dazu, ist gerade der Abbau von Guano in kritischer Art und Weise für Artengefährdung verantwortlich, siehe dazu zB diesen informativen Artikel…

Wie so oft habe ich auch hier das Gefühl, von der Industrie mit Absicht getäuscht zu werden. Woher letztendlich andere Düngestoffe kommen, wird ebenso wenig deklariert. Dass aber zB Hornspäne nicht vom gelegentlichen Hufestutzen freilaufender Rinder aus dem Streichelzoo stammen, sondern aus der Schlachtindustrie, kann ich mir auch gerade noch selbst zusammenreimen.

Warum ich die Massentierhaltung nicht unterstützen mag und daher auch nicht durch den Kauf ihrer „Abfallprodukte“ finanziell bezuschussen möchte, muss ich glaube ich nicht weiter erklären. Auf Probleme, die diese mit sich bringt, wird an so vielen Stellen berichtet, dass jeder Interessierte sich ganz einfach informieren kann…

Wer tendenziell an die Möglichkeit „artgerechter“ Haltung glaubt und nicht gegen die Schlachtung und „Verwertung“ von Tieren ist, für den können Bioerden ggf eine Alternative sein. für mich persönlich wäre es jedoch wünschenswert, vom Gedanken des NUTZTieres wegzukommen und es als Lebewesen zu achten, damit möchte ich auf tierische Bestandteile generell verzichten, ebenso wie ich auch kein Düngemittel aus verstorbenen Mitmenschen nutzen möchte.

Aussichten

Auf ihrem tollen Blog hat Susane Heine, Autorin DES veganen Gartenbuchs „peaceful gardening„, zwei tolle Arikel verfasst, in denen sie Herstellerauskünfte über Inhaltsstoffe von Pflanzenerden auflistet und zumindest einige verfügbare Produkte aufzeigt. Ich kann nur hoffen, dass weitere Hersteller folgen und auch wir hier in der Kleinstadt irgendwann das Glück haben, an so etwas ranzukommen oder aber es zumindest online zu bestellen…

Für das nächste Jahr werden wir wieder versuchen, unsere eigene Erde zu verwenden, die wir bis dahin hoffentlich mittels Kompost aufbessern können. Alternativplan wäre, die Augen nach den von Susanne gelisteten veganen Erden aufzuhalten oder aber diese vielleicht mittels Bekannter aus größeren Städten herorganisiert zu bekommen 🙂

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