Worte

Annasfoto.JPG

zur Verfügung gestellt von: Annaviridis

Ich habe schon vor längerer Zeit dieses wundervolle Bild von  Annaviridis gesehen und ich wusste,  dazu möchte ich etwas schreiben. Vielen Dank, Anna ,dass ich Dein Bild hier zeigen und verwenden darf.

Ich bemühe mich ja sehr, gewaltfreie Kommunikation (gfk) zu erlernen. Darüber würde ich gerne und werde ich hoffentlich mal einen eigenen Artikel schreiben, denn gfk zu erklären würde hier zu weit führen. An dieser Stelle nur der Hinweis, wer sich noch nicht damit beschäftigt hat: GFK Ist mehr als „nur“ eine Kommunikationsform, „freundlich reden“ oder so 😉 Für mich ist es inzwischen eine Lebensphilosophie geworden, nach der ich (mal mehr mal weniger erfolgreich) versuche mein Handeln und Sein auszurichten.

Je mehr ich mich damit beschäftige und auch in der virtuellen Welt unterwegs bin in Kreisen, in denen gewaltfreie Menschen wirken, desto öfter werde ich inspiriert. Vor einiger Zeit gab es mal wieder einen AHA-Moment:

Eine Mutter klagte in einer online-Gruppe über ihren Mann und was es für Probleme gäbe. Viele andere stiegen mit ein, die Unterhaltung nahm einen Verlauf, in dem der Ratsuchenden „zugestimmt“ wurde, was für ein fauler, gemeiner Kerl ihr Mann doch sei. Dann postete eine offenbar sehr gewaltfreie Person dieses Zitat:

THINK

 

Und schrieb dann der Ratsuchenden Mutter eine Antwort, in der sie empathisch auf diese und ihre Gefühle einging, fragte was ihre eigenen Wünsche und Bedürfnisse seien und ihr dann Vorschläge an die Hand gab, wie sie in eine liebevolle, gewaltfreie Konfliktklärung mit ihrem Mann eintreten könnte…

In diesem Moment spielte sich vor meinem inneren Auge eine Erinnerung ab: Einige Wochen zuvor saß ich mit einer Freundin am Spielplatz. Deren Mann arbeitete länger und kam viel später als vereinbart dazu. Die Kinder wurden müde, der Stresslevel stieg und sie war ärgerlich und wir beide – ich kann es nicht anders sagen – „lästerten“ über ihren Mann. Beziehungsweise sie schimpfte und ärgerte sich über ihn und ich stimmte mit ein, stimmte ihr zu und – rückblickend erkenne ich es – feuerte das ganze an. Als dann ihr Mann endlich kam, war sie schon auf vollen Touren, ohne richtige Begrüßung ging ein Streit los, der auch laut wurde und so ging es dann laut und unerfreulich nach Hause und in den „Feierabend“…

Nun nach einigen Wochen und nach dem Moment, in dem eine so ganz und gar unerwartete und wundervolle Antwort von einer sehr empathischen Frau in einer ähnlichen Diskussion lesen durfte, fragte ich mich: Wie wäre das ganze wohl gelaufen, wenn ich gewaltfreier, weniger wertend und verbindender gewesen wäre?! Was wenn ich ihren Gefühlen Raum und Empathie gegeben hätte ihr ermöglicht hätte, Empathie für ihren Mann zu empfinden, Vertrauen in ihn und Liebe für ihn? Hätten sie sich vielleicht getroffen und sie hätte liebevoll und gewaltfrei ihr Bedürfnis nach Entlastung ausdrücken können (und es so mit höherer Wahrscheinlichkeit vielleicht sogar erfüllt bekommen) und die beiden wären an der Situation als Einheit gewachsen und liebevoll verbunden in den Abend gestartet?

Liebe Freundin, falls Du dies liest sei Dir sicher, wenigstens rückblickend habe ich aus der Situation gelernt. Ich bin froh, dass ihr ein so tolles Paar seid und Euch dieser Zwist nicht langfristig belastet hat. Vielleicht hast Du gemerkt, dass ich seit einiger Zeit versuche, anders zu reagieren und mehr Verbindung herzustellen, als durch mein eigenes wertendes Mitreden den Konflikt zu fördern…

Ich versuche seitdem oft, an dieses Zitat zu denken, was die Haltung der gfk meiner Meinung nach gut wiederspiegelt. Ist das was ich sage wahr? Also wenn ich beispielsweise jemandem zustimme, was für ein schlechter Mensch sein Partner ist, kenne ich dann die Wahrheit oder bringe ich nur meine eigene Wertung über diesen Menschen ein? Ist es hilfreich? Was möchte ich eigentlich erreichen, wenn ich so rede. Wenn ich kurzfristig einer Person und ihrer Meinung zustimme, erweise ich ihr damit vielleicht einen sehr schlechten Dienst. Zu helfen, ihre eigenen Bedürfnisse zu erkennen und in Wünsche zu übersetzen, kann jedoch unter Umständen langfristig zu Zufriedenheit führen, ist das nicht viel hilfreicher? Ist es inspirierend? oder plappere ich eigentlich nur das nach, was ich höre, ohne einen eigenen sinnvollen Beitrag zu bringen. Ermögliche ich im Konfliktfall zum Beispiel einen Perspektivwechsel oder helfe durch Empathie und Interesse, die eigenen Bedürfnisse zu erkennen. Und wenn es nicht inspirierend ist, ist es dann „notwendig“ zu reden. Dienst es irgendwelchen Bedürfnissen oder dem Leben?

Und am Ende immer die Frage, ist es freundlich oder wie ich lieber denke „liebevoll“? Dient es der Verbindung zwischen den Menschen, dient es meiner eigenen Beziehung zu diesen Menschen? Erkenne ich mit dem was ich sage das liebevolle und gute in dem Menschen, über den ich rede oder bringe ich einfach nur eigene Wertungen und negative Assoziationen ein?

Wie ihr im letzten Beitrag lesen könnt, ist meine eigene Ehe aktuell in der Krise. Und wie ihr vielleicht herausgelesen habt, hätte ich mir von der ein oder anderen Seite sehr gewünscht, dass unsere Verbindung unterstützt würde oder zumindest nicht  noch weiter blockiert durch eben solche Aussagen, die andere treffen wenn sie mit mir oder meinem Mann reden… Wir arbeiten aktuell sehr hart daran herauszufinden, ob wir eine liebevolle Verbindung wieder aufbauen und halten können und wollen. Nicht nur aber auch zweier gemeinsamer Kinder wegen. Vor einigen Tagen las ich durch Zufall eine Nachricht von einem gemeinsamen „Freund“ an meinen Mann, in der eine Nachricht von meinem Mann, ich hätte etwas nettes für ihn getan beantwortet wurde mit sinngemäß der Aussage toll, das so etwas auch endlich mal vorkomme.

Das hat mich sehr hart getroffen. Nicht nur, weil ich mich von diesem Menschen selbst auf verletzende Weise ungesehen und falsch eingeschätzt fühle – schließlich tue ich nach meinem Empfinden und auch nach der Rückmeldung meines Mannes – sehr oft und zumindest so oft wie es mir möglich ist nette Dinge für ihn (das liest sich komisch oder? Es geht nicht um Sex, sondern um das Ermöglichen von Freizeit 😛 ). Ich bin auch traurig, dass dieser Mensch, den normalerweise als einfühlsam und durchdacht schätze, auf diese achtlose Weise Zunder in das Feuer unserer Krise wirft.

Mir selbst spiegelt es auf jeden Fall noch einmal, wie solche unbedachten Kommentierungen und Wertungen auf den Menschen, über den geredet wird, wirken. Es motiviert mich, auch weiterhin daran zu arbeiten, die Bewertungen in meinem Kopf durch Vertrauen in die Menschen und Liebe zu ihnen zu ersetzen. Auf der anderen Seite lese ich diese tollen gewaltfreien Menschen in vielen online-Gruppen und sehe, was DAS bewirkt. Wie die Einfühlung Ratsuchenden hilft und wie allein das Lesen solcher Kommunikationen mir jedes Mal hilft, mich darauf zu fokussieren WIE ich sein möchte und wie ich anderen Menschen, dem Leben und der Liebe dienen kann. Ich finde es sehr wichtig, daran zu denken, welche Kreise unsere Worte ziehen, manchmal weit über denjenigen hinaus, mit dem wir sprechen. zu seinen Bekannten, Verwandten, seinem Partner und seinen Kindern. Da lohnt es sich, noch einmal über dieses Zitat und die Philosophie dahinter nachzudenken, was obigem sehr ähnlich (und vielleicht der Ursprung dessen) ist:

Before you speak, ask yourself: Is it necessary? Is it true? Is it kind? Will it hurt anyone?Will it improve on the silence?

Sathya Sai Baba

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