Meine Stillgeschichte I – Ein verwirrender Anfang…

Als ich in meinen dunkelsten Stillzeiten das Internet durchforstete und auf diverse Stillgeschichten stieß, war ich so froh! Geschichten von Frauen, die es auch nicht einfach hatten und es geschafft haben. Das hat mir so Mut gemacht und für mich war immer klar, eines Tages will ich auch meine Geschichte in die Welt hinaus schicken, auf dass sie festgehalten sei für alle Zeiten. Denn ich, Mamabär, hatte eine Heldentat vollbracht: Ich habe (m)ein Kind genährt mit meinem eigenen Körper! Damals wusste ich noch nicht, wie lange und intensiv das ganze werden würde. Aber dass ich einen wichtigen Schritt in unserem Leben getan hatte, das wusste ich, denn als einige Tage nach der Geburt der Junior das erste mal an meiner Brust trank, da schrieb ich meinen besten Freundinnen eine Jubelnachricht: „Ich habe mit meiner Brust ein Kind genährt!!!“ 😀

Und so fing unsere Geschichte an…: Eigentlich ging das ganze los, bevor es losging. In der Schwangerschaft, im Geburtsvorbereitungskurs. Ich hatte eine Hebamme, die so gar keine Zeit für mich hatte und von der ich kaum Betreuung bekam. Aber für eine Sache werde ich ihr immer dankbar sein: Sie war eine Stillverfechterin und sagte bereits im Geburtsvorbereitungskurs: „Manchmal klappt es am Anfang nicht, besonders im Krankenhaus nicht, aber macht Euch keine Sorgen, auch nach einigen Tagen, wenn ihr zuhause seid, kann das mit dem Stillen noch beginnen/funktionieren… JEDE gesunde Frau kann ihr Baby stillen!“ Diese Worte waren für mich ein echter Anker, an den ich mich klammerte… ES KANN FUNKTIONIEREN, es WIRD funktionieren!

Dann kam die Geburt, plötzlich, früh und heftig. Ich dachte immer, das Stillen ist ein Themenbereich, den ich noch im Kopf haben will, wenn das Baby kommt, also lese ich dazu alles im letzten Monat der Schwangerschaft… Tja, Pech, wenn das Baby einfach mal den letzten Monat ausfallen lässt. So wusste ich also NICHTS vom Stillen! Ich kannte niemanden, der stillte, ich hatte das noch nie gesehen und aus meiner Familie gab es nur Geschichten die endeten mit „ich konnte einfach nicht…“.

IMAG0392Als nach einer aufregenden Reise mein kleiner zum ersten Mal auf mich gelegt wurde, waren wir beide erschöpft. Er wollte stillen, im Nachhinein weiß ich nun, dass seine kleinen schnappenden Mäulchenbewegungen Bemühungen waren, meine Brustwarze zu finden und zu trinken… Ich weiß nicht, warum ich ihn nicht einfach anlegte? Ich weiß nur, dass ich in dem total überfüllten Krankenhaus mehrfach bat, eine Schwester/Hebamme würde mal kommen und mir helfen, das Baby anzulegen. Aber niemand hatte Zeit. Schließlich schlief mein erschöpfter kleiner Bär ein, ohne gestillt zu haben 😦 Am nächsten Morgen versuchten wir es gleich, aber (logischerweise) kam nichts. Die Schwestern machten eine Flasche für ihn fertig, da mein Frühchen ja winzig und schwach war und dringend gepeppelt werden sollte. Er weigerte sich in seiner ihm eigenen Art heftig. Das war das erste mal, dass mich mein Kleiner erstaunen sollte. Ein so winziges Frühchen, dass sich vehemment weigerte, das Schnütchen für die Flasche zu öffnen und die Ersatzmilch zu trinken. Sogar die „erfahrene“ Krankenschwester war erstaunt. Ein wenig bekamen wir dann in ihn hinein. Nicht viel, ebenfalls logisch, da sein winziger Magen eigentlich nur für einen kleinen „Happs“ Kolostrum ausgelegt war.

Gleichzeitig wurde ich angehalten, mittels Pumpe die Milchbildung „anzuregen“. Ich pumpte und pumpte nach Anweisung, alle drei Stunden 20Minuten jede Seite. Rückblickend kann ich über diese Anweisungen nur den Kopf schütteln. Mein erstes wertvolles Kolostrum kam noch am Vormittag an Tag 1 (keine 12 Stunden nach der Geburt) und wurde von der dümmsten Krankenschwester der Welt (ja, vielleicht ist da doch noch etwas unverarbeitete Wut in mir…) weggespült mit den „aufmunternden“ Worten na immerhin ginge es jetzt los und bald würde dann „was richtiges“ kommen 😦 Was für ein GOLD ich und mein Junior da verloren haben, das habe ich erst später gelernt…

IMG-20130709-WA0003Kurz darauf ging es dann tatsächlich los, Milch kam und die Flaschen gefüllt mir Muttermilch wurden von meinem klugen kleinen Jungen so dankbar und schnell weggetrunken, dass mir mein Herz aufging und ich alle Bemühungen meines Körpers aufbrachte, um so viel Milch wie möglich „zu produzieren“ und ihn nur damit ernähren zu können. Der Anblick der ersten Milliliter Muttermilch (ja, ich habe das sogar auf einem Bild festgehalten!) aus meinem Körper erfüllte mich mit einem Stolz, den ich kaum beschreiben kann. Ich pumpte und pumpte, auf dem Rand des Krankenhausbettes sitzend, vor Schmerzen die Zähne zusammenbeißend, da ich ja eine frische Kaiserschnittnarbe hatte. Ich musste mich auch vorlehnen, damit die Milch in den Bechern aufgefangen wurde… Die ersten Tropfen waren für mich so wertvoll, das ich mit größter Mühe dafür sorgte, dass auch wirklich alles in den Flaschen landete! Das bequeme Stillzimmer, welches uns bei der Krankenhausbesichtigung gezeigt wurde, war wegen der Überbelegung zum Krankenzimmer geworden und nicht verfügbar. Ebenfalls nicht ein Familienzimmer. Mein Mann, der Bärenpapa, konnte also „nur“ tagsüber zu uns. Nachts war ich auf mich gestellt, pumpen, füttern, Pumzubehör reinigen, wickeln, einige Minuten Schlaf und dann ging der Wecker zum pumpen auch schon wieder… Es war zum verrückt werden! Ein Wunder eigentlich, dass überhaupt Milchfluss einsetzte… ich würde sagen, dass das kaum was war. Aber immerhin reichte es, dass mein Juniorbär nur wenige Flaschen mit Ersatzmilch bekommen „musste“. Meine Aufzeichnungen verraten mir, dass es insgesamt nur wenige Milliliter waren. Seit Tag 5 Hat der Juniorbär dann bis zur Beikost nichts anderes als meine Muttermilch mehr bekommen!

Nach drei Tagen bekamen wir endlich unser Familienzimmer, was meine Milchproduktion ungeheuer steigerte. Im Familienzimmer ließen uns auch Krankenschwestern etc. sehr viel mehr in Ruhe und es gab keine andauernden „Störungen“, einer unangenehmen Zimmernachbarin, ihrer Besucher oder der ständigen Ärzte und Schwestern, die rein und rausmarschierten. Außerdem entlastete mich der Bärenpapa stark, indem er den Junior fütterte während ich pumpte oder das Pumpzeug reinigte während ich und Junior kuschelten etc etc. In Sachen Brust kamen wir aber kaum weiter. Fortwährend fragte ich Schwestern nach Hilfe und bekam unterschiedlichste Antworten. Einige sagten, der frühe kleine Junior sei ohnehin noch zu schwach zum Stillen, eine Schwester gab sich rege Mühe und gab uns einen Brustaufsatz, um es dem Junior leichter zu machen, der ja nun die Flasche kannte (immerhin meinte sie es gut…). Aber so richtig klappte es nicht. Er zog oft den Kopf weg, bekam die Brust nicht richtig zu fassen, schlief schnell ein… Man machte uns viel Druck, indem andauernd das Gewicht kontrolliert wurde und die Trinkmengen beäugt wurden… Der Junior nahm Gewicht ab (wie ich nun weiß, bis zu bestimmten Grenzen völlig normal nach einer Geburt!!!) und mir wurde gesagt, wenn er unter die 2,5kg kommen würde, müsse er doch noch auf Intensivstation (!) und könne keinesfalls entlassen werden, er müsse mehr trinken! Diesen Druck im Nacken konnte ich mich kaum auf Stillen einlassen, bei dem Trinkmengen dann ja völlig unklar waren und das Risiko bestand, dass er nicht „genug“ trinken würde. Also gab es vorerst abgepumpte Muttermilch aus der Flasche und dazwischen Stillversuche, damit der sich nicht gänzlich an Flaschen gewöhnen würde…

Ab Tag 4 nahm der Junior zu (der Kenner bemerkt vielleicht den Zusammenhang zwischen Familienzimmer – weniger Stress – gesteigerter Milchmenge – gedeihendem Baby….). Zunächst mäßig in wenigen Zehngrammschritten. Ich kann sagen, dass das ganze mächtig Fahrt aufnahm. Als wir erstmal zuhause waren gab es eine Woche (!) mit einer Zunahme von 660g !!! Nach einem Monat war mein Frühchen mit Gewichtskurven etc nicht mehr von einem nicht ganz zu kräftigen Normalgeborenen Baby zu unterscheiden. Rückblickend bin ich überzeugt, auch in Punkto Gewichtszunahme hätte man uns am Anfang wesentlich weniger Angst und Druck machen müssen! Nach 7 Tagen in der Klinik wurden wir entlassen. Auf nach Hause, auf zu dem Punkt, auf den ich die ganze Zeit gehofft und gewartet hatte: Auf in die Betreuung meiner Hebamme, die überzeugt war, jede Frau kann stillen und jedes (gesunde) Baby kann lernen, an der Brust zu trinken!

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